Rekord-DAX: Anlass zu Euphorie oder Realitätsverlust?

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DAX auf Höhenflug, Konzerne im Minus

Allem Anschein nach präsentiert sich der Deutsche Aktienindex DAX bald zum ersten Mal fünfstellig – etwas, womit vor einem Jahr kaum jemand rechnete. Hatte man im Mai 2013 den einstigen Rekord vom 16. Juli 2007, 8.105 Punkte, überschritten, steht der Index jetzt fast ein Viertel darüber. Doch merkwürdig: Über die Hälfte aller DAX-Unternehmen notieren unten den Kursen von 2007 – wie die Commerzbank mit knapp 94, E.on mit minus 67, Thyssen Krupp mit minus 58 und die Allianz mit einem Minus von 24 Prozent. Bei vielen Unternehmen ist noch Spielraum nach oben, doch passt das zusammen? Durchaus, denn der DAX ist ein Performance Index. An die Anleger ausgeschüttete Dividenden fließen in die Berechnung ein, ohne im Kurs einzelner Firmen zu erscheinen. So können Anleger verfolgen, wie sich ihre Investitionen entwickeln, deren Ertrag sich aus Dividende und Kurssteigerung zusammensetzt.

Besser Kursindex betrachten

Der DAX ist ein Ausnahmemodell, denn alle international maßgeblichen Indizes werden anders berechnet. Wie der Dow-Jones, aktuell weit über 16.000 Punkten, oder der S&P-500, der mit gut 1.850 Punkten 18 Prozent über der Rekordmarke von 2007 notiert. Klarer sieht daher, wer den um die Dividenden bereinigten Kursindex des DAX betrachtet. Im Juli 2007 stand dieser bei 5.302 Zählern und rangiert derzeit noch immer darunter. Insofern täuscht der Rekord-DAX: Selbst bei Überschreiten der 10.000-Marke bleiben deutsche Aktien großer Konzerne im Minus. Anders dagegen der MDAX mit 50 innerhalb der Rangfolge kleineren Unternehmen. Schon im Februar 2013 konnte dieser sein 2007-Hoch auch auf Kursindex-Basis durchbrechen und seither um 25 Prozent zulegen. Wer ist im MDAX vertreten? Exportorientierte Mittelständler des produzierenden Gewerbes.

Die German Top Ten

Der globale Aufschwung stärkt die deutsche Wirtschaft – und damit das Vertrauen in deutsche Aktien, was die Analysten der Privatbank Metzler zur Auflistung einer German Top Ten veranlasste – darunter Adidas, Axel Springer, Pro Sieben Sat1, Fresenius Medical Care und Klöckner. Alles Unternehmen, die höchstwahrscheinlich vom Anziehen der Binnennachfrage profitieren werden und deren Exportorientierung sich nicht auf wenige Weltregionen beschränkt. Legt man allerdings die Dividendenhöhe zugrunde, an der sich die Finanzstärke einer Firma ablesen lässt (messbar an den Ausfallversicherungsprämien, CDS), ist die Top-Ten eine andere. So nennen Analysten der Citigroup beispielsweise die Allianz, BASF oder Daimler als Teil ihrer Bestenliste. Doch die Frage, welche Aktien sich attraktiv entwickeln, könnten Indexfonds am ehesten beantworten. Diese bilden den DAX lediglich ab und werden u. a. durch iShares oder db X-trackers angeboten.

Warum Rekordhochs sekundär sind

Wer einsteigen möchte, sollte Rekordmarken ignorieren – es kann jederzeit wieder nach unten gehen. Gerade hat der deutsche Aktienmarkt angesichts enttäuschender Konjunkturdaten aus China ein wenig nachgegeben. Waren es am 21. Januar noch 9.794, sackte der DAX am 23. Januar auf 9.705 Punkte ab. Die Kraft des DAX, die 10.000 Punkte zu meistern, geht zurück, meint Jens Klatt von DailyFX. Positiv sei, dass er es stets über 9.700 Punkte schaffe. Glaubt man dagegen der Konjunkturprognose des Internationalen Währungsfonds (IWF), ist für pessimistische Unkenrufe kein Raum: Der IWF ist überzeugt, dass die Weltwirtschaft in 2014 mit einem Wachstum von 3,7 Prozent weiter an Fahrt aufnehmen wird – und korrigierte seine Schätzung für Deutschland von 1,4 auf 1,6 Prozent nach oben.

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